...alle Jahre wieder kommt sie, die Arbeitsflut, die einen zu überrollen droht. Das kenne ich schon, und es bringt mich jedes Mal an meine Grenzen. Aber es hat sich doch etwas geändert: die Wellen von Selbstmitleid, Fluchtgedanken, Suizidfantasien, die sind weg.
Salam alaykum - Friede sei mit Dir, liebe Leserin, lieber Leser. Schön, dass Du hergefunden hast.
Sonntag, 2. Oktober 2011
Montag, 26. September 2011
Ver-suchung
Als Einzelmuslima mit so gut wie keinem Kontakt zu anderen Muslimen ist man mancherlei Unannehmlichkeiten ausgesetzt. Einsamkeit. Mangelnde Praxis im gemeinsamen Gebet. Der Gefahr, dass das alltägliche "Leben" des Glaubens allmählich ausdünnt. Alles schwierig, aber auch bekannt und beherrschbar.
Montag, 19. September 2011
War da was?
Der Shawwal neigt sich dem Ende zu, der Ramadan scheint mir unendlich weit entfernt, begraben unter Schichten von Pflicht und Alltag. Schade, denke ich - und merke im gleichen Atemzug: ich habe es in der Hand.
Montag, 12. September 2011
Den Verstand gebrauchen
An vielen Stellen ermahnt der Koran uns, unseren Verstand zu gebrauchen. Das ist für mich als Muslima eine klare Verpflichtung und steht als solche über allem, was nach danach kommt. Der Koran fordert mich immer wieder auf, zu eigenen Erkenntnissen zu kommen und ich mühe mich nach besten Kräften, das zu tun.
Dem gegenüber steht eine Sicht, die versucht, auf Basis von Ahadith und Fatwas eine Sicherheit zu konstruieren und damit den Alltag und den Glauben auf eine Weise zu reglementieren, die das Leben schwer macht - aber das Nachdenken spart. In meinen Augen ist das sehr gefährlich und führt vom Kern des Glaubens weg. Das auch vor dem Hintergrund, dass Mohammad selbst stets verboten hat, seine Aussprüche aufzuschreiben und erst spätere Generationen sich über dieses Verbot hinweggesetzt haben.
Allah ermahnt uns im Koran, nicht nach immer neuen Regeln zu fragen, die Erschwernis bedeuten würden, wenn sie offenbar würden und setzt uns die komplizierte Religion des Judentums als mahnendes Beispiel vor. Müssen wir Muslime unbedingt den selben Fehler machen?
Dem gegenüber steht eine Sicht, die versucht, auf Basis von Ahadith und Fatwas eine Sicherheit zu konstruieren und damit den Alltag und den Glauben auf eine Weise zu reglementieren, die das Leben schwer macht - aber das Nachdenken spart. In meinen Augen ist das sehr gefährlich und führt vom Kern des Glaubens weg. Das auch vor dem Hintergrund, dass Mohammad selbst stets verboten hat, seine Aussprüche aufzuschreiben und erst spätere Generationen sich über dieses Verbot hinweggesetzt haben.
Allah ermahnt uns im Koran, nicht nach immer neuen Regeln zu fragen, die Erschwernis bedeuten würden, wenn sie offenbar würden und setzt uns die komplizierte Religion des Judentums als mahnendes Beispiel vor. Müssen wir Muslime unbedingt den selben Fehler machen?
Samstag, 10. September 2011
Zuflucht
Wir beten es jeden Tag mehrmals: "Ich nehme Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Scheitan". Ist das nicht ein wunderschönes Geschenk: jederzeit Zuflucht nehmen können? Ich muss nicht bitten, dass Allah mich vor Scheitan beschützt, ich kann mich einfach zu ihm flüchten, mich sozusagen in seine Arme werfen. Wissen, dass alle Macht bei Ihm ist und Scheitan nur etwas ausrichten kann, wenn ich nicht in Allahs Nähe bin. Ich darf mich anvertrauen wie ein Kind. Was kann es schöneres geben?
Montag, 5. September 2011
Hineinwachsen
Mein Hineinwachsen in den Islam ist, das wird mir immer wieder klar, begleitet von Wunschdenken, was den Grad der Veränderung angeht. Ich dachte, naja, Allah hilft mir, mit meinen vielen ungelösten Problemen zu Rande zu kommen. Ich dachte, ich finde Heimat, Stabilität, Orientierung.
Mittwoch, 31. August 2011
Wörter vergiften
Als ich Kind war, hießen Menschen, die aus dem Ausland zu uns einwanderten - na? Genau, Ausländer. Aber die Leute mochten Ausländer nicht, und so wurde Ausländer zu einem Schimpfwort. Genauso erging es dem Wort "Migrant", das als Ersatz herhalten musste. Und auch "mit Migrationshintergrund" hat inzwischen diesen Beigeschmack - und wer benutzt so ein Wortungetüm? Jedes Wort, das für unerwünschte Personen benutzt wird, wird damit unbrauchbar und unsere Sprache zu einem Minenfeld.
Dienstag, 30. August 2011
Ramadan-Abschied
Wehmut schleicht sich leise in mein Herz,
Abschied liegt in der Luft.
Geborgen war ich, einen Mond lang,
genährt, IHM nah und ohne Furcht.
Nun heißt es hinaus gehen und
das, was ich empfangen durfte,
leben, verschenken, wachsen lassen.
Die Stärke bewahren und anfachen,
die Nähe pflegen und nähren,
den Mut üben und anwenden.
Elf Monate lang.
Abschied liegt in der Luft.
Geborgen war ich, einen Mond lang,
genährt, IHM nah und ohne Furcht.
Nun heißt es hinaus gehen und
das, was ich empfangen durfte,
leben, verschenken, wachsen lassen.
Die Stärke bewahren und anfachen,
die Nähe pflegen und nähren,
den Mut üben und anwenden.
Elf Monate lang.
Sonntag, 28. August 2011
Vom Vertrauen
Eine meiner "Macken" ist eine gewisse Überkontrolliertheit, mit der ich meinen Mitmenschen und mir selbst auf die Nerven gehe. Pünktlichkeitsfetisch, "Alles muss seine Ordnung haben" und mancherlei anderes Unbill sind die Folge davon. Vor allem aber ist das Beigesellung, Schirk also.
Montag, 22. August 2011
Von Wörtern
Es gibt ja Menschen, die sind sich ganz sicher, wie diese oder jene Koranstelle zu verstehen ist, einfach weil sie die arabischen Wörter zu kennen meinen. Sie sind sich so sicher und ich frage mich, wie sie das glauben können, wo doch der Kontext die Bedeutung macht und der Ton die Musik. Zur Illustration einmal ein paar Beispiele - auf Deutsch, versteht sich ;-)
Freitag, 19. August 2011
Ramadan also (2)
Heute ist (für mich jedenfalls) der 18. Fasten-Tag, höchste Zeit für eine Halbzeitbilanz. Wie war's denn nun?
Mittwoch, 17. August 2011
Zweimal hinhören
Kennt jemand "Bohemian Rhapsody" von Queen? Ich dachte immer, ich habe mich verhört, aber da kommt wirklich "Bismillah" drin vor...wie man hier nachlesen kann:
bismillah no we will not let you go (let him go)
bismillah we will not let you go (let him go)
bismillah we will not let you go (let me go)
Weiß zufällig jemand, wie es dazu kam?
bismillah no we will not let you go (let him go)
bismillah we will not let you go (let him go)
bismillah we will not let you go (let me go)
Weiß zufällig jemand, wie es dazu kam?
Kopftücher machen dick
Ist Euch das auch schon einmal aufgefallen? Wenn ich mir die Leibesfülle der Frauen in unserer Fußgängerzone so anschaue, kann man zu keinem anderen Ergebnis kommen, als dass das Tragen von Kopftüchern enorm dick macht. Könnte ein Grund sein, auf den Hijab verzichten...
Montag, 15. August 2011
Ungläubige
Es ist Ramadan und ich lese mehr im Koran als sonst - und immer wieder stoße ich auf das Motiv der Ungläubigen, Menschen, die Allah etwas beigesellen. Zuerst einmal ein fremdes Motiv für mich - ich kenne keine nicht-monotheistische Religion aus eigener Anschauung und die Menschen hier in Deutschland wähne ich auch eher nicht in der Gefahr, zu einer überzulaufen.Aber wenn man dann die Beschreibungen liest, von Menschen, die Allahs Wort hören, es nicht verstehen wollen oder gleich wieder vergessen und dann so weiter machen, wie sie es von ihren Eltern gelernt haben, dann fällt mir doch eine Menge ein.
Donnerstag, 11. August 2011
Öder Ramadan
Ramadan alleine, das ist nicht der wahre Jakob, das weiß ich. Aber vor allem ist es öde und einsam. Mich dürstet nach gemeinsam-sein, nach zusammen-durchstehen, nach dem Teilen meiner Gefühle - aber da ist niemand. Ich fühle mich auf mich selbst zurückgeworfen - und genau da wird es interessant.
Dienstag, 9. August 2011
Bann auf Syrien
Auf einmal geht es ganz schnell, eine ganze Reihe Länder drohen Syrien mit Konsequenzen dafür, dass die syrische Regierung ihr eigenes Volk abschlachtet. Warum erst jetzt? Der Kontrast zu Libyen drängt sich auf. Ich bewundere die Syrer für ihren Mut und glaube nicht, dass ich selbst so mutig wäre.
Montag, 8. August 2011
Einfach mal Danke sagen
Danke, mein Herr, mein Erhalter,
- für jede Krise, die da kommt und mir zeigt, wie weit der Weg noch ist und wie lächerlich gering das Stück davon, das ich schon gegangen bin. So gering, dass es nichts schaden kann, zügig weiterzumachen.
Samstag, 6. August 2011
Ich war so frei
Schatz und ich waren auf einer Riesenfete in Hamburg. Fete und Ramadan? Das klingt schräg, aber es war es nicht. Proviantrucksack sei Dank habe ich mich zu gegebener Zeit zu Iftar und Maghrib zurückgezogen (im unauffällig Beten habe ich inzwischen sehr viel Routine ;) ), und dann ging es weiter, ich habe halt ein bisschen später mit Essen angefangen.
Freitag, 5. August 2011
Das Kämpfen geht weiter
Natürlich tut es das, irgendwie hat mein Kopf auch nichts anderes erwartet, aber in der Seele tut es dennoch weh, dass in Syrien, Libyen und anderswo die Kämpfe weitergehen als wäre nichts gewesen. Immer noch bringen Muslime sich, in eklatantem Widerspruch zum Koran, sich gegenseitig um. Alles irgendwo normal, ich sollte abgestumpfter sein, aber ich bin es nicht, es schmerzt. Immer wieder.
Dienstag, 2. August 2011
Ramadan also...
...und ich sitze des Nachts, esse, warte auf Fajr und weiß, dass es Millionen von Menschen genauso geht. Ich kann sie nicht sehen, aber ich kann sie fühlen, irgendwie. Ein erhebendes Gefühl, Dank sei Allah dass ich das erleben darf.
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