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Donnerstag, 18. Oktober 2012

Die Macho-Religion

Wir sind, glaube ich, ein ganz normales lesbisches Paar mit Häuschen auf dem Land, Hund, Katzen und Einbauküche. Spießig halt. Einmal im Monat besuchen wir den Lesbenstammi ein paar Dörfer weiter, wo wir ebensolche treffen: ganz normale, liebe Frauen. Alles easy. Bis ich vor nunmehr drei Jahren erzählte, dass ich Muslimin geworden bin.
Sie waren, gelinde gesagt, geschockt. Frauen, die allem was nach Einschränkung riecht, extrem reserviert gegenüber stehen. Viele mit - berechtigten - großen Vorbehalten Männern gegenüber. Die hören sich das also an und fragen mich, ob ich denn übergeschnappt bin, eine verdammte Macho-Religion anzunehmen? Nicht, dass ich das mit Sicherheit ausschließen könnte...
Die Zeit ist darüber hinweggegangen. Alle haben sich daran gewöhnt. Aber dass man sein Leben freiwillig jemandem unterordnet, den man noch nicht mal sehen kann, das begreifen die meisten von ihnen nicht. Aber auch das ist ja ganz normal.

Kommentare:

  1. Mir ist es immer wieder so gegangen, dass Ablehnung gerade von den Leuten kommt, von denen man denken könnte, dass sie aufgrund ihres persönlichen Hintergrunds (alternder Hippie, überzeugte Altlinke) oder der Lebensform, die sie für sich gewählt haben (bekennender Schwuler, gläubige Jüdin) auch nur einen Funken von Empathie für jemanden, der mit ihnen eine ganz Menge teilt (das "Anders"sein; die Erfahrung deshalb schief angesehen, diskriminiert zu werden; das Zögern, sich zu diesem Anderssein zu bekennen), zu empfinden, dass gerade von diesen Leuten das gar nicht kommt, schlimmer noch: Ablehnung.

    Es gibt so viele Parallelen zwischen Muslimsein, Ausländersein, Judesein, Altsein, Fettsein, Lesbesein in Deutschland (Minderheit sind wir alle, und gerade was das Lesbisch- oder Schwulsein angeht: hey, ich als jemand, der zum Islam übergetreten ist, weiß ziemlich genau, wie das ist, so ein Comingout. Hatte ich selbst, bloß ging's da nicht darum, zu meiner sexuellen Orientierung sondern halt meiner gewählten Religion zu stehen) - aber so viele sehen das nicht. Muslime genauso wenig wie Homosexuelle.

    Mich kotzt es an, wenn Muslime mit total irrationalen Homophantasien oder -ängsten ankommen (ja, man kann daran glauben, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten sind. Aber wenn dem so ist, dann ist das eine Handlung, die abgelehnt wird - nicht der Mensch an sich) und genauso, wenn ich von Schwulen oder Lesben fiese Anti-Islam-Sprüche zu hören bekommen, weil ja (ja klar) alle Muslime homohassende intolerante Monster sind.

    Macht das Sinn? Sorry, bin müde. Vielleicht sollte ich demnächst mal einen wohl durchdachten und nicht nur mal-so-schnell-runtergeschriebenen Post zu dem Thema schreiben.

    Na ja, wenigstens scheinen deine Freunde sich wieder einbekommen zu haben. Manchmal kann die persönliche Begegnung eben doch was bewegen.

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    1. Ja, genau. Randgruppen sind oft besonders intolerant, das habe ich öfter erfahren dürfen. Muslime machen da keine Ausnahme.

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  2. Salam aleikum,
    das Problem ist natürlich, dass frau die Religion anhand der lebenden Menschen beurteilt und nicht an Gott. Wenn man sich dann noch Gott als einen Mann vorstellt - kein Wunder.
    Würden sie erstens wissen, wie unser Prophet, s.a.s. und andere verehrte Persönlichkeiten der Geschichte den Islam gelebt und gelehrt haben und zweitens in der Lage sein, ihr Gottesbild in Frage zu stellen, dann könnte frau ins Grübeln kommen. Aber das ist ja auch unbequem.

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  3. Ich empfehle da gern Asma Barlas: "Believing Women" in Islam. Sie kennt die ganzen Vorbehalte gerade von feministischer Seite und setzt sich gekonnt damit auseinander; gleichzeitig hält sie jenen muslimischen Männern, die den Islam für sich zu manipulieren suchen, den Spiegel vor. ich habe das Buch jedenfalls sehr genossen, besonders den ersten Teil.

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  4. @ Anisah
    In welchem Islamischen Land gebe es denn ein "ganz normales lesbisches Paar mit Häuschen auf dem Land, Hund, Katzen und Einbauküche"?
    Von daher sind ihre Mitlesben da vielleicht zu recht etwas irritiert.
    Und Schwule und Lesben haben in Ländern, wo die MuslimInnen die Mehrheit stellen, doch eher weniger zu lachen.

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  5. @conring

    Bezeichnend, dass da keine Antwort mehr drauf kommt...

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  6. Ich muss ja nicht jeden Kommentar weiter kommentieren, nicht wahr? Im übrigen gibt es islamische Länder als solche ja gar nicht wirklich, nicht so wie es im Koran gefordert ist jedenfalls. Wohl gibt es aber Machogesellschaften, die sich "islamisch" nennen.

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